Gesundheit · Pharmakologie
Wie lange wirkt Kratom? Was die Pharmakologie weiß – und was nicht
Wie lange wirkt Kratom, wann setzt die Wirkung ein? Was Studien zur Halbwertszeit von Mitragynin und zum Zeitpunkt des höchsten Blutspiegels zeigen, warum Blutspiegel nicht Wirkungsdauer ist und welche Rolle das Leberenzym CYP3A4 spielt.
Redaktion KratomblattStand: 7 Quellen
„Wie lange wirkt das?“ ist eine Frage, auf die man bei einem zugelassenen Medikament im Beipacktext eine Antwort findet. Kratom hat keinen Beipacktext. Was es gibt, sind wenige Studien zum Blutspiegel – und die beantworten eine etwas andere Frage.
Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden
Wirkdauer (oder Wirkungsdauer) meint, wie lange ein Effekt spürbar ist. Halbwertszeit meint, wie lange es dauert, bis die Konzentration im Blut auf die Hälfte gesunken ist. Das hängt zusammen, ist aber nicht dasselbe: Ein Stoff kann noch messbar im Blut sein, ohne dass man etwas merkt – und umgekehrt können aktive Abbauprodukte wirken, wenn der Ausgangsstoff schon gesunken ist. Für Kratom ist genau das ein Thema, wie unten zu lesen ist.
Wann wirkt Kratom? Wirkungseintritt und Blutspiegel
Gemessen wurde bisher der Zeitpunkt des höchsten Blutspiegels (Fachbegriff: Tmax):
| Studie | Personen | Tmax Mitragynin |
|---|---|---|
| Trakulsrichai et al. 2015, Thailand | 10 regelmäßige Konsumenten | 0,83 ± 0,35 Stunden |
| Tanna et al. 2022, USA | 6 Gesunde, 2 g Kratom | 1–2 Stunden (für Mitragynin, Speciogynin, Paynanthein) |
Wann der Wirkungseintritt liegt, also ab wann man etwas spürt, haben diese Studien nicht eigens erhoben. Der höchste Blutspiegel ist ein Anhaltspunkt, kein Startschuss.
Halbwertszeit: rund ein Tag
Beide Studien kommen auf eine lange Halbwertszeit von Mitragynin:
- 23,24 ± 16,07 Stunden bei den thailändischen Konsumenten. Die große Streuung zeigt, wie unterschiedlich Menschen den Stoff abbauen.
- 24 bis 45 Stunden bei den US-Probanden für die sogenannten 3S-Alkaloide (Mitragynin, Speciogynin, Paynanthein). Andere Kratom-Alkaloide (3R) lagen bei etwa 12 bis 18 Stunden.
Was eine Halbwertszeit von einem Tag rechnerisch heißt: Nach 24 Stunden ist im Mittel noch etwa die Hälfte im Blut, nach 48 Stunden ein Viertel. Was eine so langsame Ausscheidung bei wiederholter Einnahme für die Wirkung bedeutet, ist beim Menschen kaum untersucht.
Nur 0,14 % des Mitragynins fanden die thailändischen Forscher unverändert im Urin. Der Körper baut es fast vollständig um – und einer dieser Umbauwege ist besonders wichtig.
Wie lange wirkt Kratom – und warum die Leber mitredet
In der Leber verwandelt das Enzym CYP3A4 einen Teil des Mitragynins in 7-Hydroxymitragynin (7-OH), einen deutlich stärkeren Wirkstoff am Opioidrezeptor. In Versuchen mit Mäusen erklärte das so gebildete 7-OH im Gehirn einen Großteil der schmerzdämpfenden Wirkung von Mitragynin (Kruegel et al. 2019).
Das hat beim Menschen messbare Folgen: Wurde vorher der CYP3A4-Hemmer Itraconazol (ein Pilzmittel) gegeben, sank der Spitzenwert von 7-OH um 56 %, die Gesamtmenge um 43 % (Mongar et al. 2024, zitiert von der FDA). Umgekehrt hemmt Kratom selbst dieses Enzym: Schon 2 g als Tee erhöhten in einer Studie den Spiegel des Beruhigungsmittels Midazolam um das 1,39-Fache.
Für die Frage nach der Wirkdauer heißt das: Wer Medikamente nimmt, die über CYP3A4 laufen, muss mit einem anderen Verlauf rechnen – in welche Richtung, hängt vom Medikament ab. Eine Liste solcher Kombinationen steht im Beitrag Wechselwirkungen.
Was außerdem schwankt: der Gehalt
Hinzu kommt, dass niemand genau weiß, wie viel Wirkstoff in einem Pulver steckt. In thailändischen Blättern schwankte der Mitragyningehalt je nach Erntezeit zwischen 0,35 und 3,46 Prozent (611 Proben). Die EU-Drogenagentur EUDA beschreibt die Wirkung außerdem als dosisabhängig: niedrige Mengen eher anregend, hohe (10–25 g getrocknete Blätter) eher dämpfend und opioidähnlich.
Deshalb geben wir keine Dosierungsangaben und keine Hinweise zum „Nachlegen“: Bei schwankendem Gehalt, langer Halbwertszeit und Wechselwirkungen über die Leber wäre jede Zahl eine Scheingenauigkeit.
Kurz zusammengefasst
| Frage | Antwort nach Studienlage |
|---|---|
| Wann ist der Blutspiegel am höchsten? | nach etwa 1–2 Stunden |
| Halbwertszeit von Mitragynin? | etwa ein Tag (große Unterschiede zwischen Personen) |
| Wie lange wirkt Kratom? | nicht untersucht |
| Wie lange nachweisbar? | nicht belegt – siehe Kratom im Drogentest |
Wer nach Kratom Beschwerden bemerkt – Herzrasen, Verwirrtheit, Atemprobleme –, findet im Beitrag Überdosis und Notfall die nötigen Schritte. Kurz: Lebensgefahr 144, Vergiftungsverdacht 01 406 43 43.
Häufige Fragen
Wie lange wirkt Kratom?
Dazu gibt es keine belastbare Studie. Gemessen wurde bisher, wie lange Mitragynin im Blut bleibt: Die Halbwertszeit lag bei rund einem Tag. Wie lange die spürbare Wirkung dauert, ist damit nicht beantwortet – Blutspiegel und Wirkung sind nicht dasselbe.
Wann wirkt Kratom?
Den höchsten Mitragynin-Spiegel im Blut fanden Studien nach rund 0,8 Stunden (zehn regelmäßige Konsumenten) bzw. nach ein bis zwei Stunden (sechs Gesunde, 2 g Kratom). Wann die Wirkung tatsächlich einsetzt, wurde nicht eigens gemessen.
Was ist die Halbwertszeit von Kratom?
Für Mitragynin, das Hauptalkaloid: 23,24 ± 16,07 Stunden in einer thailändischen Studie mit zehn Konsumenten, 24 bis 45 Stunden in einer US-Studie mit sechs Gesunden. Andere Kratom-Alkaloide werden schneller abgebaut (etwa 12–18 Stunden).
Verändern Medikamente die Wirkung von Kratom?
Ja, das ist belegt. Nach Gabe des Pilzmittels Itraconazol, das CYP3A4 hemmt, sank beim Menschen der Spitzenwert von 7-OH um 56 %. Umgekehrt hemmt Kratom selbst CYP3A und erhöhte in einer Studie den Spiegel eines Beruhigungsmittels um das 1,39-Fache. Mehr unter Wechselwirkungen.
Quellen
- Trakulsrichai et al., Drug Des Devel Ther 2015 (PMC4425236)
- Tanna et al., Pharmaceutics 2022 (PMC8950611)
- Kruegel et al., ACS Cent Sci 2019 (PMID 31263758)
- FDA: 7-OH Assessment (7/2025), zitiert Mongar et al. 2024
- Tanna et al., Clin Pharmacol Ther 2023 (PMID 36924284)
- EUDA – Kratom drug profile
- Sengnon et al., Plants 2023 (PMC9966779)