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Grundwissen · Glossar

Bali, Borneo, Maeng Da: Das kleine Glossar der Kratom-Herkunft

Bali Kratom, Borneo Red, Maeng Da, Thai, Malay, Sumatra: Was die Handelsnamen über die Herkunft von Kratom sagen – und was nicht. Ein Glossar von A bis Z mit dem, was Studien über Region, Erntezeit und Wirkstoffgehalt wissen.

Redaktion KratomblattStand: 6 Quellen

Karte der Inseln Südostasiens, umrahmt von Kratomblättern
Karte der Inseln Südostasiens, umrahmt von Kratomblättern · Aquarell: Kratomblatt

Wer in einem Kratom-Shop die Sortenliste durchsieht, liest eine Landkarte: Bali, Borneo, Sumatra, Thai, Malay – dazu Fantasienamen wie „Maeng Da“. Die Namen klingen nach Herkunftsangabe. Rechtlich und wissenschaftlich sind sie das meist nicht. Unser Glossar sortiert, was dahintersteckt.

Kratom-Herkunft: Was die Namen versprechen

Der Kratombaum (Mitragyna speciosa) ist ein immergrüner Baum aus der Familie der Rötegewächse. Seine natürliche Heimat sind laut EU-Drogenagentur EUDA Südostasien, die Philippinen und Neuguinea. Die Handelsnamen greifen diese Region auf – mit Inseln (Bali, Borneo, Sumatra), Ländern (Thai, Malay) und Wortschöpfungen.

Drei Dinge sollte man wissen, bevor man den Namen Bedeutung beimisst:

  1. Kein Herkunftsschutz. Anders als bei Wein oder Käse gibt es für Kratom keine geschützte Ursprungsbezeichnung. „Bali“ auf der Packung beweist nicht, dass das Blatt auf Bali gewachsen ist.
  2. Region zählt – aber anders als gedacht. Eine thailändische Studie mit 611 Blattproben fand, dass die Region den Mitragyningehalt beeinflusste, die Aderfarbe dagegen nicht.
  3. Die Erntezeit zählt am meisten. In derselben Studie schwankte der Gehalt mit der Jahreszeit zwischen 0,35 und 3,46 Prozent – im Juni bis 4,94 %, im Oktober nur 0,74 %.

Glossar A–Z

Bali

Benannt nach der indonesischen Insel. Im Handel eine der häufigsten Bezeichnungen, oft in Kombination mit einer Farbe („Green Bali“, „Red Bali“). Eine Studie, die Bali-Ware als eigene Herkunft untersucht hätte, haben wir nicht gefunden.

Borneo – auch „Red Borneo“

Borneo ist die drittgrößte Insel der Welt und teilt sich auf Indonesien, Malaysia und Brunei. Schon deshalb sagt „Borneo“ wenig über ein Land oder eine Anbaufläche aus. „Borneo Red“ oder „Red Borneo“ verbindet den Inselnamen mit der roten Aderfarbe.

Gold, Yellow, White, Green, Red

Keine Herkünfte, sondern Farb- und Verarbeitungsbezeichnungen. Laut EUDA sind die Blattadern grünweiß oder rot. Laboranalysen fanden zwischen den Farben keine signifikanten Unterschiede im Alkaloidgehalt (Huisman et al. 2023). Ausführlich im Beitrag Rot, Grün, Weiß, Gold.

Maeng Da

Der bekannteste Fantasiename. Er wird im Handel meist mit dem Versprechen besonderer Stärke verwendet. Eine botanische, wissenschaftliche oder behördliche Definition haben wir nicht gefunden – „Maeng Da“ ist ein Marketingbegriff ohne überprüfbaren Inhalt.

Malay

Verweist auf Malaysia. Hier gibt es einen der wenigen belastbaren Herkunftsbefunde: Laut EUDA macht Mitragynin in malaysischen Varietäten nur etwa 12 % der Alkaloide aus – deutlich weniger als in thailändischen. Ob ein Produkt namens „Malay“ von dort stammt, ist damit nicht belegt.

Sumatra

Indonesische Insel; im Handel ähnlich verwendet wie Bali und Borneo, oft als „White Sumatra“ oder „Red Sumatra“. Eigene Studien zu Sumatra-Herkünften kennen wir nicht.

Thai

Verweist auf Thailand. Laut EUDA stellt Mitragynin in thailändischen Varietäten bis zu 66 % der Alkaloide, 7-Hydroxymitragynin höchstens 2 %. Die Studie mit 611 Proben stammt ebenfalls aus Thailand. Dort ist Kratom seit August 2021 kein Narkotikum mehr – mehr dazu unter Kratom auf Reisen.

Was stattdessen Auskunft gibt

Ein Name verrät den Wirkstoffgehalt nicht. Eine Analyse handelsüblicher Kratom-Produkte (Sharma et al. 2019) fand Mitragyningehalte zwischen 0,7 und 38,7 Prozent – wobei die oberen Werte Extrakte betreffen. Wer wissen will, was in einer Packung steckt, braucht einen Laborbefund zur Charge mit Mitragynin, 7-OH, Schwermetallen und Keimen. Wie man ihn liest: Laborbefund richtig lesen.

Ein Vorbild für Ordnung im Sortennamen-Dschungel liefert ausgerechnet Tschechien: Die dortige Verordnung 448/2025 unterscheidet Kratom-Untertypen nur nach der überwiegenden Farbe des Pulvers – als Beschreibung des Aussehens, nicht der Wirkung.

Und das Risiko?

Gilt für jede Sorte gleich. Kratom kann abhängig machen, wirkt mit Alkohol und vielen Medikamenten zusammen und ist in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen; in Österreich darf es seit 1. September 2026 nicht mehr als Lebensmittel verkauft werden. Mehr unter Risiken und Nebenwirkungen.

Häufige Fragen

Was ist Bali Kratom?

„Bali“ ist ein Handelsname, der auf die indonesische Insel verweist. Ob die Ware tatsächlich von dort stammt, lässt sich ohne Herkunftsnachweis nicht prüfen. Eine belegte eigene Wirkung von „Bali“-Kratom kennen wir nicht; über den Gehalt gibt nur ein Laborbefund zur Charge Auskunft.

Was bedeutet Maeng Da Kratom?

„Maeng Da“ ist ein Handelsname, der oft für besonders starke Ware verwendet wird. Eine wissenschaftliche oder behördliche Definition haben wir nicht gefunden. Was ein Maeng-Da-Produkt enthält, zeigt nur ein Laborbefund.

Unterscheiden sich Thai Kratom und Malay Kratom?

Für die Herkunftsregion gibt es tatsächlich Daten: Laut EU-Drogenagentur macht Mitragynin in thailändischen Varietäten bis zu 66 % der Alkaloide aus, in malaysischen nur etwa 12 %. Ob ein Produkt mit dem Namen „Thai“ oder „Malay“ wirklich aus diesen Ländern stammt, ist damit nicht gesagt.

Was ist Borneo Red Kratom?

Die Kombination aus Inselname und Aderfarbe. Die rote Aderfarbe gibt es tatsächlich, laut einer Studie mit 644 Konsumenten fanden Laboranalysen aber keine signifikanten Unterschiede im Alkaloidgehalt zwischen den Farben. Mehr im Beitrag über Aderfarben.

Quellen

  1. EUDA – Kratom drug profile
  2. Sengnon et al., Plants 2023 (PMC9966779)
  3. Huisman et al., IJERPH 2023 (PMID 37510657)
  4. Sharma et al., Drug Test Anal 2019 (PMID 30997725)
  5. Tschechien: Verordnung 448/2025 Sb.
  6. Thailand: Tilleke & Gibbins (Anwaltskanzlei)