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Kratomblatt

Grundwissen · Inhaltsstoffe

7-OH: Das kleine Alkaloid mit der großen Debatte

7-Hydroxymitragynin kommt im Kratomblatt nur in Spuren vor, wird aber als Konzentrat in Tabletten und Extrakten verkauft. Was 7-OH ist, warum die FDA es für riskanter hält als Mitragynin und wie der Stand in den USA und in Europa ist.

Redaktion KratomblattStand: 7 Quellen

Tabletten, Kapseln und Pipettenfläschchen neben grünem Pulver
Tabletten, Kapseln und Pipettenfläschchen neben grünem Pulver · Aquarell: Kratomblatt

Kaum ein Kratom-Thema wird gerade so heftig diskutiert wie 7-OH. Der Grund: Ein Stoff, der im Blatt fast nicht vorkommt, wird inzwischen hochkonzentriert verkauft.

Was ist 7-OH?

7-Hydroxymitragynin ist ein Alkaloid des Kratombaums. Im natürlichen Blatt macht es laut FDA weniger als 2 % der Gesamtalkaloide aus, typischerweise 0,01 bis 0,04 % der Trockenmasse. Im Körper entsteht es zusätzlich aus Mitragynin.

Woher kommen 7-OH-Produkte?

Die FDA beschreibt konzentrierte 7-OH-Produkte – Tabletten, „Shots“, Gummies, sogar Eistüten und Vapes. Der erhöhte Gehalt entstehe „wahrscheinlich synthetisch“ durch oxidative Umwandlung von Mitragynin-Isolaten oder Kratom-Extrakten; eine direkte Gewinnung aus dem Blatt sei wegen der Spurenmengen wirtschaftlich nicht machbar. Eine Übersichtsarbeit in Addiction (2025) spricht von „halbsynthetischen“ 7-OH-Produkten.

Warum 7-OH als riskanter gilt

Laut FDA-Bewertung (Juli 2025):

  • 7-OH ist am μ-Opioidrezeptor deutlich potenter als Mitragynin und Morphin.
  • In präklinischen Studien dämpfte es die Atmung mehr als dreimal so stark wie Morphin.
  • Tiere verabreichten es sich selbst – bei Mitragynin wurde das nicht beobachtet.
  • Es erzeugt körperliche Abhängigkeit und Entzugssymptome wie klassische Opioide.

7-OH in den USA: Was beschlossen ist und was nicht

  • 29. Juli 2025: Die FDA empfiehlt, 7-OH in konzentrierten Produkten in Schedule I einzustufen. Natürliche Blattprodukte sind ausdrücklich nicht das Ziel.
  • 6. Juli 2026: Die DEA kündigt eine befristete Einstufung an – für Pflanzenmaterial mit über 0,050 % 7-OH in der Trockenmasse sowie für verarbeitete Produkte mit über 0,050 % oder über 1,00 mg pro Einheit.
  • 26. August 2026: Die Frist für Stellungnahmen wird bis 10. September verlängert. Am selben Tag wird eine befristete Anordnung veröffentlicht – aber nur für verwandte Stoffe (Mitragynin-Pseudoindoxyl, MGM-15, MGM-16).
  • Stand 3. Oktober 2026: Eine erlassene Anordnung für 7-OH selbst haben wir im Federal Register nicht gefunden.

7-OH in Europa und Österreich

Ein Verbot nur für 7-OH gibt es nach unseren Recherchen in keinem EU-Land. Wo 7-OH kontrolliert ist, dann zusammen mit der Pflanze oder Mitragynin. Tschechien begrenzt 7-OH in zugelassenem Kratom auf 0,1 % (Extrakt 0,5 %). In Österreich gilt für Lebensmittel mit 7-OH dasselbe wie für Kratom: seit 1. September 2026 verboten.

7-OH-Produkte werden auch im europäischen Online-Handel angeboten, unter anderem von den Shops auf unserer Bezugsquellen-Seite. Wir bewerten nicht, wer was verkauft – aber wer 7-OH-Produkte in Betracht zieht, sollte die Einschätzung der FDA kennen und den Abschnitt Abhängigkeit und Entzug lesen.

Häufige Fragen

Was ist 7-Hydroxymitragynin?

7-Hydroxymitragynin (kurz 7-OH) ist ein Alkaloid des Kratombaums. Im natürlichen Blatt macht es weniger als 2 % der Alkaloide aus. Es entsteht außerdem im Körper aus Mitragynin, vor allem durch das Leberenzym CYP3A4.

Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin – was ist der Unterschied?

Mitragynin ist das Hauptalkaloid; 7-OH kommt nur in Spuren vor, ist aber am μ-Opioidrezeptor deutlich potenter – laut FDA auch potenter als Morphin. In Tierversuchen dämpfte 7-OH die Atmung mehr als dreimal so stark wie Morphin und wurde selbst verabreicht, was für Mitragynin nicht gilt.

Ist 7-OH in Österreich legal?

7-OH ist in Österreich kein Suchtmittel. Als Bestandteil von Lebensmitteln fällt es – wie Kratom – seit 1. September 2026 unter das Verbot nicht herkömmlicher psychoaktiver Stoffe im LMSVG. Ein eigenes Verbot nur für 7-OH haben wir in keinem EU-Land gefunden.

Ist 7-OH in den USA verboten?

Die FDA empfahl am 29. Juli 2025, 7-OH in konzentrierten Produkten in Schedule I einzustufen. Die DEA kündigte am 6. Juli 2026 eine befristete Einstufung oberhalb einer Schwelle von 0,05 % bzw. 1 mg pro Einheit an. Eine erlassene Anordnung für 7-OH haben wir im Federal Register bis 3. Oktober 2026 nicht gefunden – erlassen wurde am 26. August 2026 nur eine für verwandte Stoffe.

Quellen

  1. FDA: 7-OH – An Assessment of the Scientific Data (7/2025)
  2. FDA Press Announcement, 29. 7. 2025
  3. Federal Register 2026-13580, 6. 7. 2026
  4. Federal Register 2026-17409 (Fristverlängerung), 26. 8. 2026
  5. Federal Register 2026-17429 (MP, MGM-15, MGM-16), 26. 8. 2026
  6. Smith et al., Addiction 2025 (PMID 39627873)
  7. WHO, 44th ECDD (2021)